Gregorij H. von Leïtis


studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Schauspiel mit Helen von Münchhofen und Herbert Mensching in München und mit Lee Strasberg in New York.

Seit über 40 Jahren arbeitet er an unterschiedlichen Theatern in Europa und den Vereinigten Staaten. Für seine Verdienste um die Förderung der Völkerverständigung mit den Mitteln der Kunst wurde ihm im Sommer 2003 vom deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1985 wurde er als erster Nicht-Amerikaner mit dem New York Theatre Club Prize ausgezeichnet für seine Regie von Bertolt Brechts
Jüdische Frau.

1983 gründete er in New York die
Elysium Theater Company, welche er als Artistic Director bis zu seiner Berufung 1990 als Intendant ans Landestheater Mecklenburg, Neustrelitz leitete. Seit 1993 ist er Intendant von Elysium – between two continents München – New York. Die Elysium Theater Company spezialisierte sich darauf, deutschsprachige Theaterstücke in englischer Übersetzung zu präsentieren. Viele Produktionen waren amerikanische Erstaufführungen. Im Mai 1984 bot Prof. Volkmar Sander, Direktor des Deutschen Hauses der New York University der Company ein vorläufiges Zuhause; dort wurden im ersten Jahr unter Gregorij von Leïtis’ Regie Die geliebte Stimme von Jean Cocteau, Auf dem Chimborazo von Tankred Dorst und Die Jüdische Frau von Bertolt Brecht aufgeführt. Time News Magazine kommentierte: „Die Darstellung in ‚Auf dem Chimborazo’ war von hoher Qualität, und die Stärke der Produktion als Ganzes zeigt eine exzellente Regie.“ Mit der amerikanischen Erstaufführung von Hugo von Hofmannsthals „Tor und Tod“ anlässlich der Ausstellung Vienna 1900 im Museum of Modern Art begann im Jahre 1986 eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute New York (heute Austrian Cultural Forum) unter seinem damaligen Leiter Dr. Peter Marboe, die sich bis heute fortsetzt. Die New Yorker Staatszeitung schrieb damals: „Herrn von Leïtis ist es gelungen, einige Vorurteile gegen das deutschsprachige Drama in dieser Stadt abzubauen, und dafür gebührt im Dank und Anerkennung.“

1985 gründete Gregorij von Leïtis die Erwin Piscator Award Society, welche jährlich den Erwin Piscator Award vergibt, um dadurch das Erbe Piscators, des Gründers des politischen Theaters, wachzuhalten und an dessen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung des Theaters auf beiden Seiten des Atlantiks zu erinnern. Erste Preisträgerin war die Oscar-Preisträgerin Lee Grant. Bis heute ist Gregorij von Leïtis der Vorsitzende des Piscator Award. Ebenfalls im Jahr 1985 begann Gregorij von Leïtis auch eine intensive Zusammenarbeit mit Erwin Piscators Witwe Maria Ley Piscator, die gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann den Dramatic Workshop an der New School for Social Research gegründet hatte, aus dem so berühmte Künstler wie Harry Belafonte, Marlon Brando, Tony Curtis, Judith Malina, Elaine Stritch und Tennessee Williams hervorgegangen sind.

Seit 1987 engagierte sich Gregorij von Leïtis mit den Mitteln des Theaters für die Integration sozialer Randgruppen. 1989 installierte Gregorij von Leïtis mit der Elysium Theater Company das Programm
Theater für Obdachlose. Village Beat schrieb 1990 über das Theater for Homeless: „In einer Stadt, wo gestylte aber nichtssagende Shows mal eben 50 Dollar pro Ticket kosten, während nebenan Hunderte Schlange stehen, um ein paar Nudeln und einen Apfel zu bekommen, ist es ermutigend zu erleben, dass ein Theater seine Talente den Menschen zur Verfügung stellt, die nicht oft ein Stück zu sehen bekommen.“ 1989 schrieb die New Yorker Zeitung Villager: „In der klassischen Tradition des deutschen Avantgarde Theaters von Piscator und Brecht existiert unter der Regie von Gregorij von Leïtis ein sozial relevantes Theater. Gregorij von Leïtis gebührt der Applaus für das Festhalten an seinen Idealen.“

Seit 1992 war Gregorij von Leïtis als Gastregisseur tätig, zunächst am Landestheater Linz, später auch am Landestheater Bregenz. 1998 inszenierte er am Bloomsbury Theater London Kafkas
Ein Bericht an eine Akademie und im Guggenheim Museum sowie am Miller Theater New York Ullmanns Oper Der Kaiser von Atlantis und 2001 am Teatro dell’Opera di Roma die italienische Erstaufführung von Kreneks Kammeroper What Price Confidence? New York Times schrieb über den Kaiser von Atlantis: „Die Produktion bot eine Chance, diese tief bewegende Oper zu hören.“ Die römische Erstaufführung von Kreneks Kammeroper What Price Confidence? kommentierte Corriere della Sera mit den Worten: „Entscheidend für die Vermittlung des Geistes dieser Kammeroper ist die Regie von Gregorij von Leïtis.“

In seiner Funktion als Regisseur bereitete Gregorij von Leïtis u.a. die legendäre amerikanische Sopranistin Anna Moffo auf ihre Rolle in der deutschen Fernseh-Serie
Lorenz und Söhne vor.
1997 rezitierte er die New Yorker Erstaufführung von Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke, eines der letzten Werke, die der Komponist Viktor Ullmann im Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt fertig stellen konnte, bevor er im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seither hat er diese Komposition für Sprecher und Klavier international in mehr als 20 Städten aufgeführt, u.a. in Berlin, Brüssel, Coburg, Essen, Hermannstadt, Kiew, Kronstadt, Leipzig, Lodz, London, München, Neapel, Prag, Rom, Rostock, Salzburg, Sarajewo, Ulm, Vilnius, Warschau, Weimar, und Wien. Die New York Times lobte die „starke, berührende Aufführung“ des Cornet und bezeichnete Gregorij von Leïtis und den begleitenden Pianisten als „wirkungsvolle Anwälte dieser Musik.“ Die Presse Wien nannte die Präsentation des Cornet „eine lohnende Entdeckung.“

Seit 1997 besteht ein Schwerpunkt der Arbeit von Gregorij von Leïtis darin, die Werke von Komponisten und Schriftstellern wieder auf die Bühne zu bringen, die von Hitlers Schergen verfolgt und mundtot gemacht wurden. Zu den vielen musikalisch-literarischen Programmen zum Thema „Entartete Kunst“ gehörten u.a. Rescued Music: Viktor Ullmann and Pavel Haas, präsentiert 1998 in der New Yorker Weill Recital Hall at Carnegie Hall, Fluchtpunkt: Exil, erstaufgeführt 2001 im Buchheim Museum Bernried, Banned, Silenced, Persecuted: Composers and Writers who fled the Nazis, präsentiert 2002 in der Weill Recital Hall at Carnegie Hall, und Memorial Flame to Lives the Nazis Extinguished, aufgeführt im Februar 2005 in der Carnegie Weill Hall in New York City. Im Sommer 2005 führte er Regie bei der Uraufführung von Egon Lustgartens Oper Dante im Exil in Bernried und später in New York. Hinsichtlich der Lustgarten-Premiere schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Neugeburt eines vergessenen Opernwerks (…) in Gregorij von Leïtis’ einfühlsamer Regie.“ David Stone schrieb 1999 in einem Bericht für das Institute for Jewish Policy Research: „Es ist bemerkenswert, dass der deutsche Regisseur und Dramaturg Gregorij von Leïtis mit seiner in München und New York beheimateten Organisation Elysium – between two continents von Alt-Bundeskanzler Kohl und vielen bedeutenden Persönlichkeiten aus Kunst und Politik in Europa und Amerika als ’Botschafter der jüdischen Kultur’ bezeichnet wurde.“

Von 1988 bis 1990 unterrichtete Gregorij von Leïtis deutschsprachige Theaterliteratur im Deutschen Haus at New York University. Seit 1994 ist er Vorsitzender und Künstlerischer Leiter der jährlich stattfindenden
Internationalen Sommerakademie für junge Sängerinnen und Sänger, deren Ziel es ist, deutsches Opern- und Liedrepertoire mit Nachwuchskünstlern einzustudieren, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. 1995 gründete er zusammen mit Michael Lahr The Lahr von Leïtis Academy & Archive, dessen Präsident er ist. The Lahr von Leïtis Academy & Archive hat sich zum einen zur Aufgabe gemacht, das reiche Erbe der Schriftsteller, Komponisten und Intellektuellen zu dokumentieren, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden und ihre Heimat verlassen mussten. Zum anderen will The Lahr von Leïtis Academy & Archive den akademischen und intellektuellen Austausch zwischen den USA und Europa fördern durch Vorträge, Seminare und Workshops. Bildung und Wissen sind das einzige Instrument, um wirkungsvoll gegen Ignoranz, Haß und Diskriminierung vorzugehen.

Neben seiner Tätigkeit als Intendant von
Elysium – between two continents und des Elysium Festivals Bernried, ist Gregorij von Leïtis im Beirat des Nietzsche-Forums München e.V., der Viktor Ullmann Foundation London, des Jewish Music Institute London und des Leon Askin Forums Wien.

Eine besondere Freude war für Gregorij von Leïtis die Einladung des Regisseurs Martin Scorsese, in dessen Teil der Film-Trilogie
New York Stories die Rolle des Kunsthändlers Blum zu spielen.